Die Vor-und Nachteile einer privaten Krankenversicherung

Im Jahre 2010 waren rund 11% aller versicherungspflichtigen Bürger Mitglieder einer privaten Krankenversicherung (PKV), was einer Zahl von knapp 8,9 Millionen Versicherten entspricht.

Die Vorteile einer privaten Krankenversicherung

Die Vorteile einer privaten Krankenversicherung gestalten sich vielseitig. Daher muss man vor einem Wechsel die Versicherungsprämien beider Systeme – private und gesetzliche Krankenversicherung- miteinander abgleichen und auch den Trend der jährlichen Beitragssteigerungen mitberücksichtigen.
Bei allen privaten Krankenversicherungen kann man aus mehreren Tarifen wählen, darunter der Basis-, Standard-, Komfort- und Toptarif. Zusätzlich ist es möglich, verschiedene Leistungen individuell dazu- oder abzubuchen, wie beispielsweise eine Chefarztbehandlung oder ein Einzelzimmer. Der Basistarif einer PKV unterscheidet sich dabei kaum von den Leistungen einer gesetzlichen Krankenversicherung. Je nach Tarif können allerdings Zusatzleistungen in Anspruch genommen werden: Neben einer freien Arzt- und Klinikwahl sind Medikamente zuzahlungsbefreit und Zahnersatz, kieferorthopädische Behandlungen oder auch Sehhilfen werden zu einem Großteil oder ganz von der privaten Krankenkasse übernommen. Privatversicherte Patienten sind generell von der „Praxisgebühr“ befreit, da diese Zuzahlung nur von den gesetzlichen Krankenkassen gefordert wird.
Werden dabei über einen längeren Zeitraum keine Behandlungen in Anspruch genommen, steht dem Versicherten eine Beitragsrückerstattung zu. Diese kann in Form eines Rabattes geltend gemacht werden und den Beitrag bei längerer Leistungsfreiheit um bis zu 50% senken; ganz ähnlich dem Modell von Kfz-Versicherungen bei langjährigem unfallfreiem Fahren. Auch möglich sind Pauschalleistungen und Beitragsrückerstattungen, letztere insbesondere dann, wenn eine Behandlung mit Erfolg durchgeführt wurde und zur Genesung des Patienten geführt hat.

Vor und Nachteile einer privaten Krankenversicherung

Die Nachteile einer privaten Krankenversicherung

Neben diesen Vorteilen einer privaten Krankenversicherung gibt es jedoch auch eine Reihe von Nachteilen:
Im Gegensatz zu  gesetzlichen Krankenkassen sind bei einer PKV Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen nicht kostenlos mitversichert. Im Gegenteil, jedes Familienmitglied muss einen eigenen Beitrag zahlen. Darüber hinaus besteht die Beitragszahlungspflicht auch im Krankheitsfall von mehr als sechs Wochen fort.
Während die Beiträge zur PKV bei Abschluss des Versicherungsvertrages oft durchaus mit denen der gesetzlichen Krankenversicherungen konkurrieren können, steigen sie vor allem im Alter jedoch drastisch an und können – ohne eine Alterungsrückstellung, die vor zu hohen Krankheitskosten im Alter schützt- schnell zur finanziellen Belastung werden.
Aber auch aufgrund anderer Kostenfaktoren sind private Krankenversicherungen berechtigt ihre Beiträge jährlich neu zu berechnen und gegebenenfalls anzuheben. Neben allgemein gestiegenen Kosten, medizinischem Fortschritt mit teureren Behandlungsmethoden können auch gestiegene Kosten in der jeweiligen Tarifgruppe verantwortlich für eine allgemeine Beitragserhöhung zur PKV sein. Verschiedenen Studien zufolge hat sich der monatliche Versicherungsbeitrag so innerhalb der letzten zwölf Jahre etwa verdoppelt. Dabei ist momentan von einer Beitragserhöhung um 6% pro Jahr auszugehen.
Private Krankenversicherungen erstellen vor Abschluss einer Mitgliedschaft ein individuelles Versicherungsprofil, nach dem sich die Versicherungsprämie richtet. In diesem Profil werden sowohl das Eintrittsalter, wie auch Geschlecht, Berufsgruppe und gewünschte zusätzliche Leistungen berücksichtigt. Maßgeblich für die Höhe der Prämie ist aber vor allem der Gesundheitszustand bei Abschluss der Versicherung: So können spezielle Risikoprämien bei Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe (beispielsweise Raucher oder Bergarbeiter mit Hinblick auf Lungenerkrankungen) fällig werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, durch Leistungsausschlüsse die Behandlung von bestimmten Krankheiten nicht mit in die Versicherungsleistung aufzunehmen. Das senkt die Beitragskosten, jedoch muss man im Falle einer Erkrankung selbst in voller Höhe für die Behandlungskosten aufkommen. im schlimmsten Fall kann das Ergebnis des Risikoprofils auch zur Nichtannahme bei der jeweiligen privaten Krankenversicherung führen.
Für die Mitglieder bedeutet ein Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt auch immer einen gewissen Mehraufwand. Rechnungen müssen in Vorlage bezahlt werden und anschließend bei der PKV zur Prüfung und Erstattung eingereicht werden. Unter Umständen ist es sinnvoll, sich aber schon im Vorhinein eine Deckungszusage einzuholen. Letztlich müssen alle Rechnungsbeträge noch einmal daraufhin überprüft werden, ob und in welchem Maße sie erstattet wurden. Zahlt die PKV für eine Behandlung nicht, oder nur zum Teil, muss der Patient trotzdem in Vorlage treten und kann seine Ansprüche später nur vor einem Zivilgericht geltend machen. Dabei ist die Prozessführung oft langwierig, besonders wenn mehrere Instanzen durchlaufen werden müssen, und die Kosten werden von den meisten Rechtsschutzversicherungen nicht übernommen. Darüber hinaus besteht während der Dauer des Prozesses für den Patienten kein Versicherungsschutz.
Zusammenfassend muss man die Leistungen und Beiträge einer privaten Krankenversicherung vor dem Beitritt kritisch prüfen: Während viele Zusatzleistungen und Annehmlichkeiten, wie Einzelzimmer oder Chefarztbehandlung- schon im Basis- und Standardtarif enthalten sind, können andere Bestimmungen schnell zur finanziellen Belastung werden: Nicht immer kann man zum Beispiel ohne Weiteres für alle Behandlungskosten in Vorlage treten. Und auch das fehlende Krankengeld kann im Falle eines längeren Krankenhausaufenthalts erheblich zu Buche schlagen.

In diesem Video finden Sie auch die Vorteile einer Krankenzusatzversicherung

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